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    Studie: Mit Blinatumomab fast doppelt so lange überleben wie unter Chemotherapie

    10.04.2017

    Pressemeldung des Universitätsklinikums Würzburg vom 10.04.2017

    Prof. Hermann Einsele (rechts) und Prof. Max Topp

    Freuen sich über das für die Krebspatienten wie die Wissenschaft positive Ergebnis der aktuellen Phase 3-Studie zu Blinatumomab: Prof. Hermann Einsele (rechts) und Prof. Max Topp von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg. Bild: Arnika Hansen / Uniklinikum Würzburg

    Eine neue Phase 3-Studie zeigt, dass Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie signifikant länger leben, wenn sie mit dem Immuntherapeutikum Blinatumomab behandelt werden statt mit einer Standard-Chemotherapie. Prof. Max Topp vom Uniklinikum Würzburg war nicht nur an der aktuellen Studie, sondern auch an der Entwicklung und Erprobung des gentechnisch erzeugten Antikörpers maßgeblich beteiligt. 

    Der Wirkstoff Blinatumomab richtet sich gegen eine sehr aggressive Form von Blutkrebs, die akute lymphatische Leukämie (ALL). Nach den USA ist diese Immuntherapie seit Dezember 2015 in der Europäischen Union zur Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter ALL zugelassen. Eine im März dieses Jahres in der renommierten Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ publizierte, weltweite Phase 3-Studie mit 405 Hoch-Risiko-Patienten verglich die Wirksamkeit von Blinatumomab mit der einer intensiven Standard-Chemotherapie. Es zeigte sich, dass das mittlere Gesamtüberleben der mit dem Blinatumomab-Medikament Blincyto behandelten Patienten 7,7 Monate betrug – gegenüber 4,0 Monaten bei denen in der Chemotherapie-Gruppe. Ferner war zu erkennen, dass auch die Remissionsraten unter dem gentechnisch erzeugten Antikörper höher lagen.

    Ein Ergebnis mit Signalwirkung
    „Dies ist die erste Studie, die eine Überlegenheit einer alleinigen Immuntherapie gegenüber einer Chemotherapie bei Leukämiepatienten zeigt. Dieses Ergebnis wird einen Wechsel in der Behandlung von Blutkrebspatienten einläuten“, kommentiert Prof. Max Topp vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und Letztautor der wissenschaftlichen Publikation. Prof. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW, an der ein Teil der internationalen Studie durchgeführt wurde, ergänzt: „Das ist ein großer Erfolg vor allem für die Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie, aber auch für die Würzburger Universitätsmedizin. Weiterentwicklungen dieses Antikörpers sind derzeit am UKW bei verschiedenen anderen Tumorerkrankungen im Einsatz – auch hier gibt es erste Anhaltspunkte für eine gute Wirksamkeit.“

    Über Blinatumomab
    Blinatumomab gehört zu einer neuen Klasse von konstruierten monoklonalen Antikörpern, die direkt das menschliche Immunsystem gegen Tumorzellen wirken lassen. Es ist das erste zugelassene Medikament, das die körpereigenen T-Zellen, eine Form der weißen Blutkörperchen oder Lymphozyten, einspannt, um Leukämiezellen zu vernichten. Diese „Killer“ können in der Regel Krebszellen nicht von gesunden Zellen unterscheiden und greifen sie deshalb auch nicht an. Den Forschern gelang es, diese biochemische Blindheit zu überwinden, indem sie gentechnisch einen Antikörper designten, der einerseits in der Lage ist, an der Krebszelle anzudocken und andererseits an T-Zellen binden kann. Mit Hilfe dieses „Adapters“ werden die Abwehrzellen aktiviert, sie erkennen die schädlichen Zellen und können sie in der Folge zerstören.

    Literaturnachweis
    Blinatumomab versus Chemotherapy for Advanced Acute Lymphoblastic Leukemia
    Hagop Kantarjian, M.D., Anthony Stein, M.D., Nicola Gökbuget, M.D., Adele K. Fielding, M.B., B.S., Ph.D., Andre C. Schuh, M.D., Josep-Maria Ribera, M.D., Ph.D., Andrew Wei, M.B., B.S., Ph.D., Hervé Dombret, M.D., Robin Foà, M.D., Renato Bassan, M.D., Önder Arslan, M.D., Miguel A. Sanz, M.D., Ph.D., Julie Bergeron, M.D., Fatih Demirkan, M.D., Ewa Lech-Maranda, M.D., Ph.D., Alessandro Rambaldi, M.D., Xavier Thomas, M.D., Ph.D., Heinz-August Horst, M.D., Ph.D., Monika Brüggemann, M.D., Wolfram Klapper, M.D., Ph.D., Brent L. Wood, M.D., Ph.D., Alex Fleishman, M.S., Dirk Nagorsen, M.D., Ph.D., Christopher Holland, M.S., Zachary Zimmerman, M.D., Ph.D., and Max S. Topp, M.D.
    N Engl J Med 2017; 376:836-847March 2, 2017DOI: 10.1056/NEJMoa1609783

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